Chorale Cantoria in Mâcon

Chorale Cantoria in Mâcon

Eine inzwischen 40-jährige Partnerschaft verbindet die Liedertafel mit dem Chor Cantoria in Mâcon. Bei dem Besuch der französischen Freunde Pfingsten 2010 wurde dieses Jubiläum zunächst in Neustadt mit großem Festkonzert und einem Festessen gefeiert. Bei vielen geselligen privaten Treffen wurden langjährige persönliche Beziehungen vertieft und neue geknüpft. Die Liedertäfler freuen sich schon auf den Gegenbesuch im November, wenn dann auch in Mâcon im Rahmen der Symphonie d'Automne die Chor-Jumelage gefeiert wird.

Karlheinz Nestle, auf deutscher Seite der Initiator dieser Partnerschaft bei der Begründung vor 40 Jahren und bis heute deren Motor, hat die Entwicklung dieser einzigartigen Freundschaft zwischen zwei Chören in Deutschland und Frankreich im Programm zum Jubiläumskonzert am Pfingstsonntag, 23. Mai 2010 im Saalbau Neustadt beschrieben:

Karlheinz Nestle

Liedertafel - Cantoria

Die tatsächlich einmalige Freundschaft zwischen einem deutschen und einem französischen Chor - alle Gattungen der sinfonischen Chormusik haben wir inzwischen aufgeführt - hat eine interessante Vorgeschichte, die in der Nachkriegszeit begann. Es war damals das Ziel vor allem der französischen Militärs, das ganze linksrheinische Gebiet zu annektieren, ein Ziel, das seit 400 Jahren durch die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern geistert. Dazu diente zunächst die den kämpfenden Amerikanern abgetrotzte Besetzung, die Errichtung der Militärregierungen, die Einführung des obligatorischen Französischunterrichts an allen Schulen, die Errichtung einer französisch-orientierten Universität in Mainz und eine Presse von Frankreichs Gnaden. Der Clou war, dass die Union des Maires, die Bürgermeistervereinigung von Burgund, darauf angesetzt wurde, die Annektion zu unterstützen und vorzubereiten. Erst Anfang der 50er Jahre erkannte man, dass dieses Vorhaben nicht durchsetzbar war. Es waren weiterblickende französische Persönlichkeiten, der Politiker Robert Schuman, die Oberbürgermeister von Dijon und Mâcon Kanonikus Felixe Kir und Louis Escande und der Lehrer Bernard Humblot, auch aus Mâcon, die die Initiatoren waren, die angedachten und eingeleiteten Städtebeziehungen in Städtefreundschaften bzw. -Partnerschaften umzuwandeln. Mâcon und Neustadt waren die ersten Städte, die einen entsprechenden Vertrag schlossen. Und die ersten Gruppen, die Kontakt fanden, waren die Pfadfinder - nomen est omen, wie kann es anders sein. Der damalige Chef aus Mâcon, Georges Weirich, besuchte schon 1956 seinen „Kollegen“ in Neustadt und schon 1958 kamen 80 junge Franzosen nach Neustadt zu einem gemeinsamen Zeltlager an der Königsmühle; viele weiteren Begegnungen hier wie dort folgten. Als dieser Georges Weirich 1970 Vorsitzender eines Chores in Mâcon wurde, war es ihm und seinem in die Parallelposition gekommenen Freunde hier selbstverständlich, die herzlichen Beziehungen auf die beiden Chöre zu übertragen. Damals wurde der Grundstein für diese musikalische Freundschaft gelegt, die wir heute nach 40 Jahren feiern. Die fast jährlichen Besuche, hier wie dort, haben inzwischen regelrecht einen Ritus gefunden. Die Werke werden parallel einstudiert, die Busreise geht zu Lasten der jeweiligen Chöre, aber alles andere ist dann unter der Verantwortung der Gastgeber: Ausrichtung der Konzerte, ausschließliche Unterbringung in den Familien und festliche Feier des Zusammenseins. Die „Ronde d’Adieu“ beim jeweiligen Abschied hat inzwischen Kultstatus. Die Aufgabe wird sein, in Zukunft immer wieder Persönlichkeiten zu finden, die diese seltene und so herzlich gewordene Freundschaft fortführen können.